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Forschungsprojekt [Projekt-ID: 171]Die Aufklärung und die Grenzen Europas (Sammelbandpublikation in Zusammenarbeit mit Andreas Renner)
Projektleiter: Alexander Kraus
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Projektbeschreibung:
Die Aufklärung ungefähr des 18. Jahrhunderts gilt als genuin europäisches Projekt. Neue Ideen und Visionen von Europa traten neben das antike und christliche Erbe und stellten zugleich eine Antwort auf die schon zahlreichen Umbrüche der noch jungen "Neuzeit" dar. Andererseits wies die Aufklärung programmatisch über Europa hinaus: Der Vernunft sollte überall zur Herrschaft verholfen werden, aber als vernünftig galt auch, von den Verhältnissen andernorts für die eigene Zukunft zu lernen.
Dieser die eigenen Grenzen überschreitende und in Frage stellende Anspruch der Aufklärung ist untererforscht. Faktisch wird die Aufklärung noch immer als westeuropäische Geistesströmung und soziale Bewegung und im Kontext westeuropäischer Entwicklungen der frühen Neuzeit (Glaubenskriege, Expansion nach Übersee, wissenschaftliche Revolution) untersucht. Verändert haben sich die Fragestellungen und Methoden; die Geschichte der französischen, deutschen oder schottischen Vordenker ist von einer Sozial- und Kulturgeschichte der Ideen abgelöst worden. Doch weiterhin geraten der Norden, Osten und Süden Europas eher selten in den Blick der Aufklärungsforschung. Weil sich der übergreifende Begriff der einen Aufklärung in immer mehr "nationale" Typen aufzulösen scheint, wird die "Peripherie" lieber den Experten für randständige Geschichte überlassen. Die haben inzwischen eine Reihe von Studien vorgelegt, wie sich die importierten Aufklärungskonzepte durch die Rezeption veränderten und mit anderen Traditionen verbanden. Doch kaum untersucht ist, wie dieser Transfer auf die Kernländer der Aufklärung zurückwirkte.
Auf diesen Forschungsstand bezieht sich der geplante Sammelband. Er verfolgt zwei Ziele. Zum einen soll die Geschichte der Aufklärung jenseits der Ursprungsländer auch auf Handbuchebene für Studierende zugänglich gemacht werden. Zentrale Forderungen, Organisationsformen und Entwicklungslinien werden in den jeweiligen historischen Kontext eingeordnet. Der Band richtet sich also weder an die Spezialsten der Aufklärung noch der untersuchten Regionen; alle Beiträge ziehen eine Bilanz teilweise sehr spezieller und schon sprachlich schwer zugänglicher Forschungen. Zum anderen soll das Gesamtphänomen der Aufklärung von der Peripherie in den Blick genommen werden. Welche typischen Ziele, Protagonisten, Erfolge lassen sich feststellen? Wird mit der Ausbreitung der Aufklärung eine neue Definition nötig oder unmöglich, gibt es ein besonderes aufgeklärtes Verhältnis von Peripherie und Zentrum oder hebt die Aufklärung diesen Unterschied auf? Diese Frage stellt sich nicht zuletzt deswegen, weil die Wirkungsgeschichte den Rahmen des 18., also des klassischen Jahrhunderts der Aufklärung sprengt. Doch auch an den akzeptierten geographischen Grenzen Europas machte die Aufklärung nicht Halt, wie beispielsweise ein Blick nach Lateinamerika bestätigt. Damit erscheint die Eingangsfrage nach dem europäischen Charakter der Aufklärung in einem neuen Licht.
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