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Forschungsprojekt [Projekt-ID: 259]Morphomata. Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen (zus. mit Prof. Dr. D. Boschung)
Projektleiter: Prof. Dr. Günter Blamberger
Projektträger: Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Projektbeschreibung:
Der im internationalen Kolleg Morphomata. Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen neu eingeführte Konzeptbegriff ›Morphom‹ konzeptualisiert die Spannung kulturellen Wissens zwischen allgemeinen Epistemen und konkreten Erscheinungen. Er bezeichnet die sinnlich wahrnehmbare Form kultureller Gebilde, die in ihrer Gestalt weitest gehend konstant, deren Gehalt aber potentiell veränderlich ist. Denn im Unterschied zu allgemeinen Wissensstrukturen bezeugen Kulturen konkretisierte Vorstellungen, in denen sich Wissen erst figuriert, speichert und transformiert. Morphome definieren sich somit als rekurrente Formen, die in der Bezugnahme für Neudiskursivierungen und reflexive Bedeutungsverschiebungen offen sind. Morphome sind Denkbilder, die in ihrer möglichen Persistenz wie ihrem Verblassen oder ihrer Wiederaufrufbarkeit Vor- wie Gegenbilder kulturellen Bewusstseins sein können, die Masterpieces einer Kultur wie Anachronismen oder periphere, bedeutungsleer gewordene Sinnbilder.
Drei Erkenntnishinsichten des Kollegs leiten sich aus dieser Analyse kulturellen Wandels ab: Erstens untersuchen wir kulturelle Entstehungsprozesse, die Genese von Morphomen aus ihnen zugrundeliegenden epistemischen Elementen, zweitens die spezifische Medialität, in der kulturelle Figuren und Vorstellungen manifest werden, und drittens die kulturellen Dynamiken, die von den medialen Figurierungen, materialen Prägungen und reflexiven Aufladungen des Wissens ausgehen. Letzteres schließt in seinem Fokus auf das Konkrete auch Zufälliges ein, Eigenwertigkeiten des Materials, der Formgebung, der Technik oder ästhetischer Gestaltung. Morphome erlauben damit eine Kulturbeschreibung unabhängig von Ganzheitsvorstellungen oder Entwicklungsmodellen, wie sie traditionelle Kulturmorphologien implizieren. Der Doppelaspekt von Formkonstanz und inhaltlicher Varianz unterstützt ein doppeltes Ziel: erstens den Ausbau interdisziplinärer Forschung über den Anschluss an disziplinäre Konzepte von den materialbasierten Ansätzen etwa in der Archäologie bis zu Goethes ›Literatoren‹-Begriff; zweitens folgt hieraus, Kulturen in diachroner wie synchroner Perspektive zu vergleichen, gemeinsame Formensprachen in ihrer Divergenz sichtbar zu machen, kulturelle Funktionen wie Funktionsäquivalente über Kulturen hinweg ausfindig zu machen, Wandel wie Dauer zu analysieren.
Das Kolleg wird sich auf vier kulturelle Vergleichsdimensionen beschränken, die exemplarisch den Eigen- und Vergleichswert kultureller Gebilde beschreibbar machen: Es sind dies für das erste Triennium Morphome des Schöpferischen sowie der Wissens- und Zeitordnungen, für das zweite Triennium Morphome des Heiligen und des Todes sowie der Herrschaft. Parallel zu diesen Morphomgruppen soll die Morphom-Terminologie und -Theorie im Hinblick auf kulturelle Kontingenzen ausgearbeitet werden. Das dezentrale und atelelogische Kulturverständnis soll – und hierin wäre der integrative Aspekt des Morphom-Konzepts zu sehen – auf möglichst breiter Ebene ein interdisziplinäres Arbeiten ermöglichen, dabei aber gerade die Möglichkeiten der geisteswissenschaftlichen Vielfalt nutzen, um die Bedeutung kultureller Figurationen in ihrer Konkretheit zu analysieren, also Kultur nicht zu homogenisieren sondern in ihrer Komplexität für die Gegenwart sichtbar zu machen.
Mit der Förderung durch das BMBF eröffnet sich für das Kolleg die Möglichkeit, neben der Einbeziehung der Philosophischen Fakultät jährlich zehn internationale Forscherinnen und Forscher aus allen Bereichen der Geisteswissenschaften nach Köln zu holen und sich dem Forschungsgegenstand sowohl aus unterschiedlichen fachlichen und kulturellen Perspektiven wie auch interdisziplinär zu nähern.
Prof. Dr. Günter Blamberger / Dr. Martin Roussel
Leitung:
Prof. Dr. Dietrich Boschung
Klassische Archäologie
Archäologisches Institut
Dietrich.Boschung@uni-koeln.de
Prof. Dr. Günter Blamberger
Institut für deutsche Sprache und Literatur
guenter.blamberger@uni-koeln.de
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