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Philosophische Fakultät - Englisches Seminar
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Forschungsprojekt [Projekt-ID: 68]
The early English impersonal construction: An analysis of verbal and constructional meaning
Projektleiterin: Dr. Ruth Möhlig-Falke


Projektbeschreibung:

Ruth Möhlig-Falke, M.A.:
“The early English impersonal construction: An analysis of verbal and constructional meaning”

Thema des Dissertationsprojektes ist eine syntaktische Konstruktion des frühen Englischen, die hier als die impersonal-accusative/dative (IMPacc/dat) construction bezeichnet werden soll. Diese Konstruktion ist im Alt- und Mittelenglischen gut belegt und zeigt sich in fossilen Resten auch noch in frühneuenglischen Texten, z.B.

c888 K. ÆLFRED Boeth. xiv. §2 Ac þincð him genog […]. “But (it) seems enough to them”
a1300 Cursor M. 868 Vs thoght scam þe to bide. “(It) seems shameful to us to ask you”
c1520 BARCLAY Jugurth (1557) 28b, Whan he had..such compani as him thought competent for an army. (Examples are taken from the OED, s.v. think v.1 B 2a)

Ziel der Arbeit ist es zunächst, die IMPacc/dat construction des Altenglischen in Hinblick auf ihre semantischen und diskurs-pragmatischen Merkmale zu untersuchen und hierbei die Interaktionen zwischen den Ebenen des Lexikons und der Grammatik darzustellen. Des weiteren wird der Frage nach der Verwendung des Musters nachgegangen, um zu klären, in welchen Texten und Textsorten die Konstruktion besonders häufig vorkommt. Im folgenden wird der Einfluss der hierbei ermittelten semantischen, diskurs-pragmatischen und textspezifischen Faktoren auf den weiteren Entwicklungsprozess der IMPacc/dat construction im Mittel- und Frühneueng¬lischen ermittelt.
Die altenglische IMPacc/dat construction zeichnet sich formal durch die folgenden Merkmale aus:

(1) Das Verb trägt invariabel die Flexionsform der 3. Person Singular, unabhängig davon, welche Person und welcher Numerus in den nominalen Argumenten kodiert sind.
(2) Ein Nominativargument, das mit dem Verb kongruiert und so als grammatikalisches Subjekt betrachtet werden könnte, fehlt.
(3) Es ist zumindest ein Argument im Akkusativ oder Dativ kodiert.
(4) Falls mehr als ein Argument kodiert ist, ist das zweite ein Genitivobjekt, ein Objektsatz (vornehmlich durch þæt eingeleitet) oder ein infiniter Teilsatz.

Diese Konstruktion taucht mit Vollverben in verschiedenen Varianten auf, je nachdem ob und wie das zweite Argument kodiert ist, z.B.

(1)   Dat./Akk. + Ø: [...] he cuið: Me (Akk./Dat.) hyngrede, & ge me nawuht ne sealdun etan. “[...] he said: I was hungry, and you did not give me anything to eat” (CP   B9.1.3 [1604 (44.327.24)])

(2)   Dat./Akk. + Genitiv Objekt: [...] ðætte oft ðone (Akk.) geðyldegestan scamað ðæs siges (Gen.) þe he ofer ðone dioful hæfde mid his geðylde. “[...] so that often the most patient one is ashamed of the victory, which he had over the Devil with his patience” (CP (Cotton) B9.1.3.1 [0074 (33.226.18)])

(3)   Dat./Akk. + þæt-Objektsatz: [...] and cwæð: ðu goda cyningc, licað ðe (Akk./Dat.) wel þæt Apollonius þe þurh us todæg gegodod is þus heonon fare, and cuman yfele men and bereafian hine? “[...] and (she) said: Good King, are you well pleased that Apollonius, who has been enriched by us today, thus goes away, and evil men come and rob him?” (ApT   B4.1 [0179 (17.22)])

(4)   Dat./Akk. + infiniter Teilsatz: e.g. Me (Akk./Dat.) gedafenæð to wyrcenne his weorc [...]. “(It) befits me to do his work [...]” (ÆHomM 2 (Irv 3)   B1.5.2 [0068 (177)])

Bereits im Altenglischen war die IMPacc/dat construction nicht der grammatikalische Regelfall, sondern eine markierte Konstruktion, die einen am Geschehen unmittelbar beteiligten und von ihm betroffenen Wahrnehmenden (den sog. experiencer) in Subjektposition rückte. Die Konstruktion ist mit einer begrenzten Zahl von etwa 52 Verben im Altenglischen belegt. Im frühen Mittelenglischen wird das syntaktische Muster der IMPacc/dat construction auf neue Verben ausgeweitet. Es erfasst vor allem Lehnwörter aus dem Französischen und Skandinavischen, jedoch auch zahlreiche Verben altenglischer Herkunft und einige mittelenglische Neuprägungen.
Obwohl es zahlreiche Studien gibt, die sich mit den unpersönlichen Verben und Konstruktionen des frühen Englischen beschäftigen, fehlen immer noch ausreichende Erklärungen zur Entwicklung des Musters. Manche Studien (z.B. van der Gaaf 1904, Ogura 1986) sind reine Datensammlungen, die zwar z.T. sehr ausführlich die syntaktischen und kontextuellen Informationen darstellen, die aber keine weiteren Ansatzpunkte zur Interpretation der Entwicklung des Musters liefern als die bloße Erwähnung der traditionell üblichen strukturellen Erklärungen: Verlust der nominalen Kasusunterscheidungen zwischen Nominativ : Dativ und zwischen Akkusativ : Dativ und infolgedessen Verlust des lexikalischen Kasus und die Fixierung der SVO-Wortstellung mit der Notwendigkeit ein syntaktisches Subjekt zu kodieren. Andere Studien (z.B. Fischer & van der Leek 1983, 1987, Allen 1995) beschäftigen sich zwar mit eben diesen strukturellen Faktoren und ihrer Auswirkung auf die IMPacc/dat construction, haben aber zumeist eine eingeschränkte Datenbasis als Grundlage, indem sie sich entweder nur auf wenige prototypische unpersönliche Verben stützen oder aber nur einen kleinen Teil der verfügbaren Belege der jeweiligen Verben untersuchen.
Diese Studie ist die erste umfassende, datenbasierte Analyse der relevanten Verben des Altenglischen und ihrer variierenden syntaktischen Verwendungen, die außer einer formalen Datenbeschreibung eine semantische Auswertung und Einordnung vor dem Hintergrund der textuellen Überlieferung vornimmt. Die Datenauswertung stützt sich dabei auf das Dictionary of Old English Corpus (Toronto), das alle überlieferten altenglischen Texte in mindestens einer Handschriftenkopie berücksichtigt und mit seinen ca. 3,5 Mio. Wörtern das umfangreichste und umfassendste elektronische Korpus des Altenglischen ist.
Grundlage für die semantische Analyse ist das Modell der Kognitiven Grammatik (z.B. Langacker 1987, 1991, 2000), der Konstruktionsgrammatik (v.a. Goldberg 1995, 1996) und der frame semantics (z.B. Fillmore 1982). Neben der Beschreibung der Verbreitung und Entwicklung des Musters im Altenglischen ist ein weiteres Ziel der Arbeit zu ermitteln, inwieweit sich im Rahmen des gewählten theoretischen Modells zeigen lässt, dass Verbbedeutung und morphologisch-syntaktische Bedeutung der verschiedenen syntaktischen Verwendungen eines Verbs miteinander interagieren. Sollte sich diese Interaktion an den Daten belegen lassen, so wäre das ein Hinweis darauf, dass auch in der Beschreibung diachronen grammatischen Wandels dieser Aspekt in einem stärkeren Maße berücksichtigt werden müsste, als dies bislang geschehen ist. Indem die grammatische Beschreibung die Grenze zwischen Lexikon und Syntax überschreitet, macht sie die Entwicklung als einen systemischen Prozess deutlich, in dem sich beide Seiten gegenseitig beeinflusst haben.
(Abgeschlossen November 2008)

Literaturangaben:
Allen, Cynthia L. 1995. Case Marking and Reanalysis. Grammatical Relations from Old to Early Modern English. Oxford: Clarendon Press.
Fillmore, J. Charles. 1982. “Frame semantics”. In Linguistic Society of Korea, ed. Linguistics in the Morning Calm. Seoul: Hanshin, 111-38.
Fischer, Olga & Friederike van der Leek. 1983. “The demise of the Old English impersonal construction”. Journal of Linguistics 19:337-68.
Fischer, Olga. & Friederike van der Leek. 1987. “A case for the Old English impersonal”. In W. Koopmann, F., et al., eds. Explanation and Linguistic Change. Amsterdam: Benjamins, 79-120.
Gaaf, W. van der. 1904. The Transition from the Impersonal to the Personal Construction in Middle English. (Anglistische Forschungen 14). Heidelberg: Carl Winter.
Goldberg, Adele E. 1995. Constructions. A Construction Grammar Approach to Argument Structure. Chicago: University of Chicago Press.
_____. 1996. “Construction Grammar”. In Keith Brown & Jim Miller, eds. Concise Encyclopedia of Syntactic Theories. Oxford: Pergamon, 68-71.
Langacker, Ronald W. 1987. Foundations of Cognitive Grammar, vol. 1. Stanford, CA: Stanford UP.
_____. 1991. Foundations of Cognitive Grammar, vol. 2: Descriptive Applications. 3rd edition. Stanford, Calif.: Stanford University Press.
_____. 2000. Grammar and Conceptualization. Berlin: Mouton de Gruyter.
Ogura, Michiko. 1986. Old English ‘Impersonal’ Verbs and Expressions. Copenhagen: Roskilde & Bagger.

Korpus:
Dictionary of Old English Corpus = The Dictionary of Old English Project, ed. The Dictionary of Old English Corpus in Electronic Form on the World Wide Web. Chicago: University of Michigan Press. Continual access between 2002-2005
(URL: http://ets.umdl.umich.edu/o/oec/ )
erstellt von uk-online am 25.05.13, 17:33