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Universität zu Köln



Philosophische Fakultät - Institut für Deutsche Sprache und Literatur I
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Forschungsprojekt [Projekt-ID: 127]
Verum-Fokus und Diskusstruktur
Projektleiter: Prof. Dr. Horst Lohnstein
Projektträger: DFG

Adresse:
Prof. Dr. Horst Lohnstein
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Universität zu Köln
Albertus Magnus Platz

D-50923 Köln

Tel:+49 (0)221 / 470-5236
Fax:+49 (0)221 / 470-5107
E-Mail:Horst.Lohnstein@uni-koeln.de
URL:http://www.fokus-db.de

Mitarbeiter:
Hildegard Stommel M.A.

Projektbeschreibung:

Verum-Fokus bezeichnet ein Phänomen, das durch Akzentuierung des finiten Verbums (F-Verum-Fokus) bzw. der satzeinleitenden Konjunktion (C-Verum-Fokus) im Deutschen zustandekommt und dessen Interpretation die Wahrheit der ausgedrückten Proposition in besonderer Weise hervorhebt:

(1)   Fritz hat die Firma betrogen.
(2)   Fritz HAT die Firma betrogen.
(3)   Martha glaubt, dass Fritz die Firma betrogen hat.
(4)   Martha glaubt, DASS Fritz die Firma betrogen hat.

Die Sätze in (1) und (2) sind jeweils Aussagesätze, die die Wahrheit der ausgedrückten Proposition behaupten. Im Gegensatz zu (1) wird die Geltung der Wahrheit durch die Akzentuierung des finiten Verbums in (2) jedoch in emphatischer Weise hervorgehoben. Bei den eingebetteten Pendants in  (3) und (4) gilt das gleiche im Hinblick auf die Glaubensüberzeugungen des Matrixsubjekts Martha. Derartige Verum-Effekte lassen sich auch bei anderen Satzmodi feststellen:

(5) HAT Peter gestern die Katze gefüttert? (E-Interrrogativsatz)
(6) Wer HAT gestern die Katze gefüttert? (w-Interrogativsatz)
(7) Nun SETZ dich endlich hin! (Imperativsatz)
(8) Ach, WÄR ich doch ein Königssohn. (Optativsatz)
(9) Der KANN aber auch essen! (Exklamativsatz)
   
Eine interessante Frage, die dieses Phänomen eröffnet, besteht darin, inwiefern die Wahrheits-Behauptung  eines Satzes verstärkt werden kann, obwohl das Prädikat wahr sein nicht graduierbar ist.
   Verschiedene Beobachtungen zu diesem Phänomenbereich zeigen nun, dass die epistemischen Dispositionen von Sprechern, die durch den Satzmodus (Deklarativ, Interrogativ, Imperativ) realisiert werden, nur dann mit Verum-Fokussierung möglich sind, wenn im Vorgängerdiskurs zwischen den Gesprächsteilnehmern strukturidentische Dispositionen geschaffen wurden. Die Kombinatorik von Satzmodus und Verum-Fokus hängt damit direkt von der Struktur des Vorgängerdiskurses ab.
   Dieser systematische Zusammenhang erlaubt es, dem Begriff der Wahrheit von Sätzen eine grammatische Grundlage zu geben, indem die syntaktische Distribution eines grammatischen Merkmals [VERUM] empirisch überprüft  und seine Interaktion mit anderen grammatischen Mitteln der Satzbildung auf semantischer Ebene theoretisch erfasst werden kann. Zugleich eröffnet sich damit die Möglichkeit, die Wahrheitsgeltung von Sätzen nicht nur auf einzelne Sätze, sondern auf ganze Diskurse anzuwenden und die relevanten Strukturbedingungen anzugeben.
   Das Projekt will den mit diesen Aspekten verbundenen Fragen nachgehen und sie in die derzeit bestehenden Theorien der syntaktischen Strukturbildung, der Fokussierung und der Satzmodi sowie ihrer Semantik theoretisch integrieren, so dass  die zu beobachtenden Effekte in kompositioneller Weise aus der systematischen Interaktion der grammatischen Mittel deduktiv abgeleitet werden können. Die empirische Basis des Projekts wird derzeit in einer Online-Datenbank Fokus-DB erhoben.
erstellt von uk-online am 09.12.16, 02:48